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Rassismus und Rechtsextremismus bleiben Themen in Deutschlands Fußballstadien

  • May
    12 16:17

    Rassismus und Rechtsextremismus bleiben Themen in Deutschlands Fußballstadien

    In und um Fußballstadien sehen Rechtsextreme Möglichkeiten, die gezielte Unterwanderung von Fan-Gruppen zu betreiben, um für ihre Ideologie zu werben und neue Anhänger zu gewinnen. Dabei können sie zu oft an Vorurteile der Fans anknüpfen. So treten im Stadion nicht nur rechtsextreme Propaganda, sondern auch Rassismus und Antisemitismus zu Tage. Fallbeispiele.

    Von Eric Stritter

    Wenn Rechtsextreme in und um Fußballstadien agitieren wollen, beginnt dies mit dem Aufbau loser Kontakte zu eigentlich unpolitischen Fußballfans. Dann folgt der Eintritt politisch motivierter Personen in eine Fangruppe, in der sie im Folgenden oft versuchen, Führungspositionen zu übernehmen. Außerdem versuchen Nazis durch Flugblätter, Transparente, Embleme, Schmierereien und Parolen auf ihre rechtsextreme Ideologien, Veranstaltungen und Ziele aufmerksam zu machen.

    Auch Rassismus und Gewalt sind im Fußballgeschäft bitterer Alltag. Gerade die unteren Ligen stehen im Fokus der Auseinandersetzung und beschäftigen den Deutschen Fußballbund. So skandieren rechtsradikale Fans Parolen, verteilen NPD-Mitglieder Propaganda, tragen Besucher strafbare Kennzeichen auf ihrer Kleidung, werfen Bananen und pöbeln Spieler an, weil ihnen deren Herkunft nicht passt. Solche Anfeindungen sind schon längst keine Randerscheinungen mehr.

    Die NPD verfolgt eine von ihrem Vorsitzenden Udo Voigt ausgerufene "Wortergreifungsstrategie": Aktivisten sollen in die Freiwilligen Feuerwehren gehen, sich in den Elternbeirat wählen zu lassen, sich inkognito auf politische Veranstaltungen einzuschleichen, um sich dort eine Weile unauffällig zu verhalten, bevor es ans Missionieren geht. Auch der Breitensport Fußball soll gezielt unterwandert werden.

    Wie sich Rassismus, Antisemitismus und rechtsextreme Propaganda in Fußballstadien manifestieren, zeigen ausschnitthaft die folgenden Beispiele:

    Der Fall Ogungbure (25.03.2006)

    Das Oberliga-Spiel im März 2006 zwischen dem Halleschen FC und dem FC Sachsen Leipzig wird der Spieler Adebowale Ogungbure wahrscheinlich nicht mehr vergessen können. Der aus Nigeria stammende, damalige Stürmer des FC Sachsen Leipzig wurde das ganze Spiel hindurch von "Fans" aus Halle rassistisch beleidigt, ohne das Schiedsrichter oder Stadionsprecher eingegriffen. Von der Haupttribüne skandierten einige Rassisten: "Nigger raus!" Aus Hilflosigkeit und Wut heraus stellte sich Adebowale nach dem Abpfiff vor die Hallenser Fankurve und zeigte demonstrativ den Hitlergruß, um damit zu sagen "Ihr seid Nazis!". Daraufhin wurde der dunkelhäutige Spieler von Hallenser Anhängern angegriffen, geschlagen und gewürgt, nur das Eingreifen von Mannschaftskollegen konnte Schlimmeres verhindern.

    NPD nutzt rechtes Potential der Fanszene des LOK-Leipzig (29.08.2007)

    Der Präsident des sächsischen Landesligisten LOK Leipzig, Steffen Kubald, muss oft Fragen nach der rechtsextremen Klientel seines Vereins beantworten. Er ist aber gerade dabei, dass Problem glaubwürdiger als in der Vergangenheit anzugehen. Ein Verbot rassistischer Äußerungen wurde in die Stadionordnung des ehemaligen Bundesligisten verankert. Auch der Fahrer des roten VW-Multivans mit dem Kennzeichen L-OK-88 (der Szenecode für Heil Hitler) darf seit neuestem keine Fanartikel mehr vor dem Stadion verkaufen, denn der Drei-Jahres-Vertrag mit dem rechtsextremen Merchandiser ist ausgelaufen. Das so ein Vertrag überhaupt abgeschlossen wurde, gehört zu den Fehlern der Vergangenheit, die den Traditionsverein zum Anlaufpunkt für Rechtsextreme gemacht hat. Noch eine Woche zuvor posierten zwei Neonazis vor dem Bruno-Plache-Stadion von Lok-Leipzig - vor einem 7,5 Tonner mit der Aufschrift "Rudolf Heß - Mord verjährt nicht." Kubald schaltete umgehend die Polizei ein, doch angeblich lag kein Straftatbestand vor. Im Internet wurde dokumentiert, wie derselbe Bus weiter durch die Republik tourte - er hielt auch vor dem Berliner Olympiastadion und der Arena auf Schalke zum Fototermin für NS-Nostalgiker.

    Einer der beiden, die vor dem Heß-Truck posierten, war bei LOK Gründungsmitglied und erhielt im Februar Hausverbot beim Verein. Bis vor kurzem arbeitete er zudem als Fahrer und Bodyguard für Holger Apfel. Der ist Vorsitzender der sächsischen NPD-Landtagsfraktion, Stellvertretender sächsischer Parteichef und NPD-Chefideologe. Ihm diente er besonders als Späher und Bote in Sachen Fußballfragen.

    Das die NPD den ersten deutschen Meister von 1903, der sich 2003 von VFB Leipzig in Lokomotive Leipzig zurück benannte, so umgarnt, ist kein Zufall. Unter den Anhängern von LOK-Leipzig, aber auch von Dynamo Dresden und Eintracht Braunschweig scheinen einige der NPD aufgeschlossen gegenüber zu stehen. Entsprechend versucht die NPD, deren Anhänger an die Partei heranzuführen.

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