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Netz gegen Nazis aktuell

Netz gegen Nazis aktuell


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In Netz gegen Nazis’ Notizblog gibt es 7 Einträge.
  • Jun
    11 11:26

    Rassistisches Mobbing in der Schule

    Wie reagieren, wenn das eigene Kind in der Schule rassistischen Diskriminierungen ausgesetzt ist? Eine Broschüre der Opferberatungsstelle ReachOut zeigt auf, worauf Eltern achten müssen und wohin sie sich für Unterstützung wenden können.

    Ängstlichkeit und Unsicherheit, Aggressivität, Bettnässerei, Traurigkeit – das alles können Anzeichen von Mobbing bei Kindern sein. „Viele Eltern verstehen nicht, was mit ihrem Kind passiert“, so Sanchita Basu von der Opferberatungsstelle ReachOut. Die Kinder wollten oder könnten sich oftmals nicht klar ausdrücken und selbst wenn deutlich werde, dass es mit Diskriminierungen zu tun habe, wüssten die Eltern nicht, wie sie damit umgehen sollen.

    Zum Handeln ermutigen

    Die Eltern reagieren sehr unterschiedlich. Manche bagatellisieren die Vorfälle, manche gehen mit ihren Kindern kaum noch vor die Tür, andere wiederum werden aktiv. So eine Mutter, deren Kind plötzlich – scheinbar grundlos – nicht mehr zur Schule gehen wollte. Als ihr die Ursache, rassistisches Mobbing, deutlich wurde, gründete sie eine „AG Rassismus“ an der Schule und wandte sich an Sanchita Basu. Um auch andere Eltern zu ermutigen, sich mit den Problemen ihres Kindes intensiv auseinanderzusetzen, entwickelten sie die Broschüre „Rassistisches Mobbing in der Schule“. Basu betont, dass die knapp gehaltene Broschüre nur ein Anfang sein kann um Eltern sowie Lehrerinnen und Lehrer zu bestärken, sich Hilfe zu suchen. Für komplexere Handreichungen fehlten leider die finanziellen Mittel.

    Vielfältige Ansätze

    Die Ideen und Ansätze, die ReachOut zum Umgang mit rassistischem Mobbing entwickelt hat, sind vielfältig. Psychische Betreuung der Betroffenen, Workshops und Trainings mit Schülerinnen und Schülern, Eltern sowie Lehrerinnen und Lehrern wären notwendig. Oft bleibt aus Geld- und Zeitgründen nur die Möglichkeit, eine Bedarfsanalyse zu machen und den Lehrenden mit auf den Weg zu geben sich selbst um entsprechende Schulungen zu kümmern. Eigene Projekte führt ReachOut vor allem mit Schülerinnen und Schülern selbst aus: „Wir machen Workshops an verschiedenen Schulformen, besonders an Grundschulen“, erzählt Basu.

    Weiterlesen auf unserem Partner-Portal "Mut gegen rechte Gewalt" http://www.mut-gegen-rechte-gewalt.de/service/um-rat-gefragt/rassistisches-mobbing-in-der-schule/!

  • Jun
    04 14:04

    Zu Hause backt sie Hakenkreuztorten

    Im Elternbeirat der Schule macht Sabine Schülerinnen lächerlich, die Angst vor Neonazis äußern. Auf Nazi-Demonstrationen macht sie Fotos von Gegendemonstranten als Hass-Futter für die rechtsextreme Szene. Ihre Erfahrungen als bürgerlich getarnte Nazi-Aktivistin breitete die 50-jährige Mutter von zehn Kindern selbst lang und breit im rechtsextremen Thiazi-Internetforum aus.

    Von Hellmuth Vensky

    Userin Enibas ist Nationalsozialistin. Sie moderiert Foren auf thiazi.net, der wohl wichtigsten deutschen Neonazi-Plattform im Internet. Sie verehrt Joseph Goebbels und Leni Riefenstahl, feiert Hitlers Geburtstag und freut sich, dass "Jude", wie sie meint, wieder ein "Schimpfwort" sei, denn "ein gewisser Antisemitismus ist normal und gesund".

    Sabine ist stinknormal. Als Hobbys nennt sie "lecker essen gehen", "Motorrad fahren" und "künstlerisches Werkeln". Auf ihrer Homepage zeigt die 50-Jährige, nach eigenen Angaben Diplom-Grafikdesignerin, biedere bis kitschige Werke. Ihr Mann arbeitet in einer EDV-Firma. Sie stottern ein Eigenheim ab, haben einen Hund und ein Meerschweinchen. Und zehn Kinder.

    Enibas findet, "für den Volkserhalt ist es notwendig, dass Mann und Frau wissen, dass das höchste Glück auf Erden in vielen Kindern und einer guten Ehe liegt". Sie glaubt, "dass ein Mensch mit einem gesunden Rassebewusstsein einfach kein Verlangen nach fremdrassigen Sex hat." Und Homosexualität hält sie für "eine Krankheit, für die es leider noch keine Heilung gibt" - denn Schwule tun ihre Pflicht nicht: "eine deutsche Familie zu gründen".

    Wenig deutet auf der Homepage von Sabine darauf hin, dass sie rechtsextrem, dass sie Enibas sein könnte. Doch Aktivisten der Autnomen Antifa Freiburg (AAF) haben auf thiazi.net außer den Zitaten, die hier wiedergegeben sind, Bilder eingesammelt, die Enibas von sich ins Netz gestellt hat, und Fotos, die bei Neonazi-Demonstrationen entstanden. Kein Zweifel: Die Frau auf den Bildern ist dieselbe wie auf der Homepage von Sabine.

    Musik verwandelte Sabine in Enibas. Sie hörte erst Böhse Onkelz, bekam dann einen "Rock against Communism"-Sampler geschenkt - "diese Scheibe war für mich das Schlüsselerlebnis". Heute heißen ihre Lieblingsbands "Tobsucht", "Sturm 18" und "Arische Jugend". Um sich über die Musik auszutauschen, geriet sie erst im Internet und dann bei Konzerten und Kundgebungen leibhaftig in Nazi-Kreise. Wenn man das weiß, findet man auch auf der Familien-Homepage den einen oder anderen Hinweis, die Onkelz und den Skinhead-Musikstil Oi! zum Beispiel unter Lieblingsmusik, Militärklamotten auf dem Selbstporträt.

    Weiterlesen? http://www.netz-gegen-nazis.de/artikel/zu-hause-backt-sie-hakenkreuztorten-8713

  • May
    12 16:17

    Rassismus und Rechtsextremismus bleiben Themen in Deutschlands Fußballstadien

    In und um Fußballstadien sehen Rechtsextreme Möglichkeiten, die gezielte Unterwanderung von Fan-Gruppen zu betreiben, um für ihre Ideologie zu werben und neue Anhänger zu gewinnen. Dabei können sie zu oft an Vorurteile der Fans anknüpfen. So treten im Stadion nicht nur rechtsextreme Propaganda, sondern auch Rassismus und Antisemitismus zu Tage. Fallbeispiele.

    Von Eric Stritter

    Wenn Rechtsextreme in und um Fußballstadien agitieren wollen, beginnt dies mit dem Aufbau loser Kontakte zu eigentlich unpolitischen Fußballfans. Dann folgt der Eintritt politisch motivierter Personen in eine Fangruppe, in der sie im Folgenden oft versuchen, Führungspositionen zu übernehmen. Außerdem versuchen Nazis durch Flugblätter, Transparente, Embleme, Schmierereien und Parolen auf ihre rechtsextreme Ideologien, Veranstaltungen und Ziele aufmerksam zu machen.

    Auch Rassismus und Gewalt sind im Fußballgeschäft bitterer Alltag. Gerade die unteren Ligen stehen im Fokus der Auseinandersetzung und beschäftigen den Deutschen Fußballbund. So skandieren rechtsradikale Fans Parolen, verteilen NPD-Mitglieder Propaganda, tragen Besucher strafbare Kennzeichen auf ihrer Kleidung, werfen Bananen und pöbeln Spieler an, weil ihnen deren Herkunft nicht passt. Solche Anfeindungen sind schon längst keine Randerscheinungen mehr.

    Die NPD verfolgt eine von ihrem Vorsitzenden Udo Voigt ausgerufene "Wortergreifungsstrategie": Aktivisten sollen in die Freiwilligen Feuerwehren gehen, sich in den Elternbeirat wählen zu lassen, sich inkognito auf politische Veranstaltungen einzuschleichen, um sich dort eine Weile unauffällig zu verhalten, bevor es ans Missionieren geht. Auch der Breitensport Fußball soll gezielt unterwandert werden.

    Wie sich Rassismus, Antisemitismus und rechtsextreme Propaganda in Fußballstadien manifestieren, zeigen ausschnitthaft die folgenden Beispiele:

    Der Fall Ogungbure (25.03.2006)

    Das Oberliga-Spiel im März 2006 zwischen dem Halleschen FC und dem FC Sachsen Leipzig wird der Spieler Adebowale Ogungbure wahrscheinlich nicht mehr vergessen können. Der aus Nigeria stammende, damalige Stürmer des FC Sachsen Leipzig wurde das ganze Spiel hindurch von "Fans" aus Halle rassistisch beleidigt, ohne das Schiedsrichter oder Stadionsprecher eingegriffen. Von der Haupttribüne skandierten einige Rassisten: "Nigger raus!" Aus Hilflosigkeit und Wut heraus stellte sich Adebowale nach dem Abpfiff vor die Hallenser Fankurve und zeigte demonstrativ den Hitlergruß, um damit zu sagen "Ihr seid Nazis!". Daraufhin wurde der dunkelhäutige Spieler von Hallenser Anhängern angegriffen, geschlagen und gewürgt, nur das Eingreifen von Mannschaftskollegen konnte Schlimmeres verhindern.

    NPD nutzt rechtes Potential der Fanszene des LOK-Leipzig (29.08.2007)

    Der Präsident des sächsischen Landesligisten LOK Leipzig, Steffen Kubald, muss oft Fragen nach der rechtsextremen Klientel seines Vereins beantworten. Er ist aber gerade dabei, dass Problem glaubwürdiger als in der Vergangenheit anzugehen. Ein Verbot rassistischer Äußerungen wurde in die Stadionordnung des ehemaligen Bundesligisten verankert. Auch der Fahrer des roten VW-Multivans mit dem Kennzeichen L-OK-88 (der Szenecode für Heil Hitler) darf seit neuestem keine Fanartikel mehr vor dem Stadion verkaufen, denn der Drei-Jahres-Vertrag mit dem rechtsextremen Merchandiser ist ausgelaufen. Das so ein Vertrag überhaupt abgeschlossen wurde, gehört zu den Fehlern der Vergangenheit, die den Traditionsverein zum Anlaufpunkt für Rechtsextreme gemacht hat. Noch eine Woche zuvor posierten zwei Neonazis vor dem Bruno-Plache-Stadion von Lok-Leipzig - vor einem 7,5 Tonner mit der Aufschrift "Rudolf Heß - Mord verjährt nicht." Kubald schaltete umgehend die Polizei ein, doch angeblich lag kein Straftatbestand vor. Im Internet wurde dokumentiert, wie derselbe Bus weiter durch die Republik tourte - er hielt auch vor dem Berliner Olympiastadion und der Arena auf Schalke zum Fototermin für NS-Nostalgiker.

    Einer der beiden, die vor dem Heß-Truck posierten, war bei LOK Gründungsmitglied und erhielt im Februar Hausverbot beim Verein. Bis vor kurzem arbeitete er zudem als Fahrer und Bodyguard für Holger Apfel. Der ist Vorsitzender der sächsischen NPD-Landtagsfraktion, Stellvertretender sächsischer Parteichef und NPD-Chefideologe. Ihm diente er besonders als Späher und Bote in Sachen Fußballfragen.

    Das die NPD den ersten deutschen Meister von 1903, der sich 2003 von VFB Leipzig in Lokomotive Leipzig zurück benannte, so umgarnt, ist kein Zufall. Unter den Anhängern von LOK-Leipzig, aber auch von Dynamo Dresden und Eintracht Braunschweig scheinen einige der NPD aufgeschlossen gegenüber zu stehen. Entsprechend versucht die NPD, deren Anhänger an die Partei heranzuführen.

    Weiter lesen auf netz-gegen-nazis.de

  • Apr
    26 15:05

    Ausstieg einer Szenegröße? "Hauptkampflinie"-Sänger distanziert sich von rechtsextremer Szene

    Der Sänger der Kasseler Neonazi-Band "Hauptkampflinie" veröffentlicht eine Erklärung, dass er aus der rechtsextremen Szene aussteigt, weil seine Überzeugungen ein Fehler waren. Interessant sind auch die Einstiegs- und Ausstiegsgründe.

    "Nun bin ich also endlich ausgestiegen und weiß, was dieser ganze Kram eigentlich war, nämlich nur eine Haufen Müll." Das Zitat stammt aus einer Stellungnahme, die Oliver Pod­ja­ski jüngst herausgab, Gründer und Sänger der rechtsextremen Band "Hauptkampflinie" (HKL), und die auf dem Blog "Oire Szene. Infos zu Rechtsrock und Grauzone" publiziert wurde. "Hauptkampflinie" wurde laut Podjaski im Jahr 2009 aufgelöst. Auf "16 Jahre in der 'rechtsradikalen Szene'" könne er nun zurückblicken, so der Sänger, der 1996 "Hauptkampflinie" gründete und davor Mitglieder der Düsseldorfer Rechtsrockband 08/15 war. Über 20 CDs hat die Band hervorgebracht, mit Titeln wie "Völkermordzentrale" (1999, indiziert), "Odins Krieger" (2004), "Aus dem Ghetto" (indiziert), "Der Traum vom Reich" (2006).

    Auch wenn Ausstiegsbekundungen auch Lippenbekenntnisse sein können, äußert sich Oliver Podjaski in seinem Statement reflektiert und explizit über Einstiegs- und Ausstiegsgründe aus der Szene. "Nationalismus und sowie eine gewisse Ausländerfeindlichkeit" habe er schon im Elternhaus kennen gelernt, was aber "keine Entschuldigung für mein Handeln" sein solle. "So führte mich mein Weg vom rechten Wähler [gemeint ist die NPD, die Red.], zum aktiven 'Republikaner'-Mitglied, bis zu meiner ersten Rechtsrock Band." Auf "White Power"-Konzerten gewöhnte sich Podjaski an den Duktus der Szene: "Anfangs war ich noch etwas geschockt davon [offene NS-Verherrlichung, die Red.], doch irgendwann wurde das zur Normalität. Man stumpfte richtig ab und machte sich gar keine großen Gedanken mehr darüber."

    Gestört habe ihn schon zu aktiven Zeiten die Gewaltbereitschaft großer Teile der Szene wie auch die Profilierungssucht einzelner Akteure. Zum Ausstieg hätten aber vor allem die allmähliche Auseinandersetzung mit den inhalten des Neonazismus. "Auch heute gibt es Menschen die sich als Nationalisten bezeichnen, überall auf der Welt und ich war einer von ihnen. Jetzt empfinde ich den Nationalismus aber als etwas das den Geist der Menschen vergiftet. Die Berufung auf seine Herkunft und sein Heimatland, die Abgrenzung gegenüber anderen Menschen kann nichts Gutes sein und wird nie was Gutes bringen. [...] Egal wo Menschen glauben sie seien etwas Besseres als andere, erzeugt das nur Hass und Konflikte" [Fehler im Original]. Auch in der Auseinandersetzung mit Rassismus, Antisemitismus und dem Nationalsozialismus musste Podjaski feststellen: "So ging ich viele Punkte der rechten Weltanschauung durch und die Antwort war immer wieder: 'Nein, daran kann ich doch nicht wirklich glauben.'

    Weiterlesen:

    http://www.netz-gegen-nazis.de/artikel/ausstieg-einer-szenegroesse-hauptkampflinie-saenger-distanziert-sich-von-rechtsextremer-9812

  • Apr
    12 13:43

    Jeder Mensch hat Vorurteile - ist das problematisch?

    Alle Menschen ordnen andere Menschen in Gruppen ein, um sich die Welt zu organisieren. Aber wann werden Vorurteile gefährlich? Und kann man die wirkungsvoll bearbeiten? Vorurteilsforscher Andreas Zick beantwortet die wichtigsten Fragen.

    Andreas Zick ist Vorurteilsforscher und Professor am Institut für Konflikt- und Gewaltforschung der Universität Bielefeld. Hier erforscht er u.a. die Mechanismen der "Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit".

    Was genau ist ein Vorurteil?

    Ein Vorurteil ist im einfachsten Sinne eine verallgemeinerte Abwertung von Menschen aufgrund ihrer Mitgliedschaft zu einer Gruppe. Antisemitismus ist zum Beispiel ein Vorurteil gegen Juden, weil sie Juden sind.

    Was ist der Unterschied zu einem Stereotyp?

    Stereotype sind erstmal Zuschreibungen von Eigenschaften zu einer Kategorie oder Gruppe. "Juden sind besonders", wäre ein Beispiel, oder "Frauen sind emotional". Das ist eine Zuschreibung, aber noch keine Wertung. Sobald ein Stereotyp negativ gemeint ist und das Motiv dahinter steckt, eine andere Gruppe abzuwerten, oder eine Person, weil sie Mitglied einer anderen Gruppe ist, ist es ein Vorurteil: "Juden sind hinterlistig", oder "Frauen sind schwach".

    Haben wir nicht alle Vorurteile?

    Ja, wir alle nutzen Stereotype und Vorurteile, um die Welt um uns herum zu vereinfachen und die unzähligen Informationen, die wir wahrnehmen können, zu filtern. Wir wären sonst überfordert von einer Informationsflut. Also stereotypisieren wir andere und ordnen sie in Schubladen oder Kategorien. Das macht die Zuschreibungen von Merkmalen aber nicht per se gut oder schlecht. Ein Beispiel ist die Wahrnehmung eines Lehrers, der einer Schulklasse gegenübersteht: Der kann sich nicht alle Details über alle Schüler merken. Er stereotypisiert sie, merkt sich Typen von Schülern. Interessant ist: Sobald wir uns der Tatsache bewusst sind, dass wir Vorurteile haben, haben wir sie weniger.

    Wann werden Vorurteile problematisch?

    Wenn die Zuschreibung, die wir mit einer Gruppe verbinden, negativ ist, generalisierend und abwertend ist, ist sie für den sozialen Frieden einer Gesellschaft problematisch - besonders, wenn die Vorurteile verhaltensrelevant werden, also zu Taten führen, etwa zu Diskriminierung. Ob das passiert, ist aber nicht allein von meiner Einstellung abhängig, sondern auch davon , wie das Umfeld reagiert, wenn ich Vorurteile zu Taten werden lasse: Welche Normen gelten in meiner Gesellschaft? Wird es sanktioniert, wenn ich Gruppen diskriminiere? Ernte ich Zustimmung? Komme ich ins Gefängnis, weil es strafbar ist?

    Was macht anfällig für Vorurteile?

    Das ist eine fast unbeantwortbare Frage, weil viele Ursachen verantwortlich sind und es auf die Situation ankommt. Ich nenne mal ein paar Faktoren, die die Forschung als relativ stabile Ursachen ausgemacht hat:

    - Ungleichwertigkeit: Wenn ich daran glaube, dass manche Menschen wertvoller sind als andere Menschen, bin ich anfällig für Abwertungen, die mir die Richtigkeit meines Denkens "beweisen".- Wenn Menschen eine übersteigerte Identifikation mit einer Gruppe verspüren, sind sie anfällig für Vorurteile - Beispiel wäre übersteigerter Nationalstolz. Menschen, die an eine homogene Bezugsgruppe glauben - etwa einen homogenen Staat -, an Konformismus statt Vielfalt und die wenig Kontakte zu Menschen der Gruppen haben, die sie nicht mögen, haben mehr Vorurteile.- In vielen europäischen Ländern, insbesondere in Deutschland, spielt der Autoritarismus, also der übersteigerte Glaube an gewöhnliche traditionelle Werte, Gehorsam und Unterwerfung sowie Härte gegen Außenseiter, eine Rolle.- Geschichte und Traditionen spielen eine Rolle: Wir wachsen in einer Kultur auf, die mehr oder minder Vorurteile hat. Vorurteile sind äußerst hartnäckig, lassen sich verändern und modernisieren. Viele Vorurteile basieren auf mythischen Bildern der frühen Neuzeit (13.-15. Jahrhundert)! In Deutschland etwa wurde lange die Idee eines "homogenen Nationalstaates" vertreten - das ist genau das Gegenteil einer vorurteilsfreien Gesellschaft, die Vielfalt schätzt. Das muss eine Gesellschaft erst einmal bearbeiten. Auch antisemitische Stereotype aus dem Dritten Reich sind nach wie vor im kollektiven Gedächtnis unserer Gesellschaft gespeichert - das war Teil der Kultur hier, das ist schwierig loszulassen.

    Was bewirken Vorurteilen?

    - Ungleichwertigkeit herstellen: Vorurteile machen Menschen ungleich in der Welt. So dient etwa Sexismus dazu, eine Ungleichwertigkeit zu schaffen, die sowohl dem geltenden Recht in Deutschland wie auch allen Fakten völlig entgegenläuft. Warum überhaupt sollte es Unterschiede im Wert geben zwischen Männern und Frauen, Christen und Juden?- Sie vermitteln eine Bindung an eine Gruppe, die die Vorurteile teilt. Der Antisemitismus der Rechtsextremen etwa dient zweierlei: Einerseits ist er Ausdruck einer imaginierten "rassischen Überlegenheit", sorgt aber auch für eine hohe Bindung innerhalb der Gruppe, weil er gesellschaftlich so stark sanktioniert wird. Rechtsextremismus könnte ohne Vorurteile nicht überleben.- Sie geben dem Äußernden ein Gefühl der Kontrolle und der Macht- Sie geben ein Gefühl des Selbstwertes durch die Abwertung anderer.- Sie geben das Gefühl, besonders wissend zu sein, Zusammenhänge besser zu durchschauen als andere.

    Ist es sinnvoll, Vorurteile zu bearbeiten oder abbauen zu wollen?

    Mehr noch, für eine demokratische Gesellschaft, die Menschenrechte und den Schutz von Minderheiten als wichtig erachten, ist es sogar Pflicht. Eine demokratische Gesellschaft strebt aus ihren Grundsätzen heraus danach, eine maximal vorurteilsfreie Gesellschaft zu sein, in der alle Menschen gleichwertig sind und in der Vielfalt geschätzt wird.

    Weiterlesen - Wie geht man am besten mit Vorurteilen um? Was wirkt am besten gegen problematische Vorurteile?
    http://www.netz-gegen-nazis.de/artikel/jeder-mensch-hat-vorurteile-ist-das-problematisch

  • Apr
    07 14:03

    Culcha Candela gege Nazis

    Culcha Candela aus Berlin engagieren sich als Band musikalisch und praktisch gegen Rechtsextremismus, etwa für die Aktion "Laut gegen Nazis". Als eine Gruppe von Deutschen mit polnischem, koreanischem, kolumbianischem und ugandischem Hintergrund wollen sie dafür das beste Beispiel sein. Itchyban bringt es auf den Punkt: „Wir sind die neue deutsche Generation. Auch wenn sich manche Leute darüber ärgern, dass wir das als normal betrachten. Wir als Band sind ein Statement gegen Rassismus!“

    Das Video-Statement aus unserer Promi-Rubrik "10 Sekunden gegen Nazis" gibt es

    | hier.

    Und die ganze Rubrik (u.a. mit Michael Ballack, Mieze Katz, Markus Kavka) hier.

  • Mar
    26 10:01

    Wie funktioniert Rechtspopulismus à la "Pro NRW"?

    Die Partei "Pro NRW" weist das Etikett "rechtsextrem" von sich, verkauft sich als angeblich demokratische Alternative zu "Altparteien". Dabei nimmt sie es mit demokratischen Werten nicht wirklich genau, argumentiert aber geschickt verwirrend. Licht ins Dunkel bringt die Handreichung "Pro NRW erneut auf Stimmenfang" der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus Köln anlässlich eines "Pro NRW"-Flugblattes, das sich an Schülerinnen und Schüler wendet.

    Von Simone Rafael

    Die Handreichung "Pro NRW erneut auf Stimmenfang" zeigt anhand des "Pro NRW"-Jugendflugblattes "Extremismus tötet", wie die Partei publizistisch manipuliert, die NRW-Innenminister Ingo Wolf erst vor wenigen Tagen als "gefährlich für die Demokratie" einschätzte. Die Handreichung ist eine Argumentationshilfe mit Handlungsideen für Lehrerinnen und Lehrern, die das Flugblatt an ihrer Schule entdecken (200.000 Stück will "Jugend Pro NRW" verteilen), hilft aber genauso Menschen weiter, denen die Verfassungsschutz-Beschreibung "Anhaltspunkte für den Verdacht verfassungsfeindlicher Bestrebungen" zu vage ist.

    Wie argumentiert "Pro NRW"?

    Wie rechtspopulistische Kollegen in Europa geht "Pro NRW" mit Rassismus, besonders in Form des Schürens von Vorurteilen gegenüber Menschen mit Zuwanderungshintergrund, Bemühen um "innere Sicherheit" und Kampf gegen "Klüngel und Korruption" in den Landtagwahlkampf in Nordrhein-Westfalen.

    Beispiel: Rassistische Argumentation

    Gezeigt wird im Bild die Erhängung zweier Menschen mit der Bildunterschrift "Hinrichtung glaubensabfälliger Muslime in einem islamischen Land", kombiniert mit dem Slogan "Die Religion des Friedens: Demnächst auch in Deiner Nähe."

    Zunächst fällt die permanente Gleichsetzung von Islam und Islamismus auf. Suggeriert wird zudem, dass alle "islamischen Länder" gewalttätig agieren und ähnliches zu erwarten ist, wo Muslime in Deutschland ihre Religion ausüben. Übrigens handelt es sich bei den im Bild gezeigten Opfern der Diktatur im Iran um Homosexuelle, für die "Pro NRW" sonst nicht besonders viel übrig hat.

    Grundsätzlich arbeitet "Pro NRW" mit Paschalisierungen und Stigmatisierungen, weil es ihnen nie um eine sachliche und kritische Diskussion gesellschaftlichen Zusammelebens geht, sondern nur um Stimmungsmache. Die gesamte muslimische Gemeinschaft erscheint so als unterschiedsloses Kollektiv im Kampf gegen die Demokratie.

    Law & Order

    Gefordert wird von "Pro NRW" "härtere Strafen" - oft solche, die bereits Realität der deutschen Rechtssprechung sind - und "Null Toleranz". Neben der inhaltlichen Auseinandersetzung zeigt die Handreichung, dass "Pro NRW" es für sich selbst allerdings nicht so genau mit diesen Forderungen nimmt, selbst verurteilte Straftäter zu Veranstaltungen einlädt und auch bei eigenen Funktionäre davon profitiert, dass es bisher kein "Null Toleranz"-Politik gibt.

    Weitere Themen sind die populistischen Metapher "Das Boot ist voll" und die besonders perfide Forderung nach "Separten Klassen für assimilationsunwillige Ausländer".

    Mehr lesen? http://www.netz-gegen-nazis.de/artikel/wie-funktioniert-rechtspopulismus-la-pro-nrw-5612