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Zu Hause backt sie Hakenkreuztorten
Im Elternbeirat der Schule macht Sabine Schülerinnen lächerlich, die Angst vor Neonazis äußern. Auf Nazi-Demonstrationen macht sie Fotos von Gegendemonstranten als Hass-Futter für die rechtsextreme Szene. Ihre Erfahrungen als bürgerlich getarnte Nazi-Aktivistin breitete die 50-jährige Mutter von zehn Kindern selbst lang und breit im rechtsextremen Thiazi-Internetforum aus.
Von Hellmuth Vensky
Userin Enibas ist Nationalsozialistin. Sie moderiert Foren auf thiazi.net, der wohl wichtigsten deutschen Neonazi-Plattform im Internet. Sie verehrt Joseph Goebbels und Leni Riefenstahl, feiert Hitlers Geburtstag und freut sich, dass "Jude", wie sie meint, wieder ein "Schimpfwort" sei, denn "ein gewisser Antisemitismus ist normal und gesund".
Sabine ist stinknormal. Als Hobbys nennt sie "lecker essen gehen", "Motorrad fahren" und "künstlerisches Werkeln". Auf ihrer Homepage zeigt die 50-Jährige, nach eigenen Angaben Diplom-Grafikdesignerin, biedere bis kitschige Werke. Ihr Mann arbeitet in einer EDV-Firma. Sie stottern ein Eigenheim ab, haben einen Hund und ein Meerschweinchen. Und zehn Kinder.
Enibas findet, "für den Volkserhalt ist es notwendig, dass Mann und Frau wissen, dass das höchste Glück auf Erden in vielen Kindern und einer guten Ehe liegt". Sie glaubt, "dass ein Mensch mit einem gesunden Rassebewusstsein einfach kein Verlangen nach fremdrassigen Sex hat." Und Homosexualität hält sie für "eine Krankheit, für die es leider noch keine Heilung gibt" - denn Schwule tun ihre Pflicht nicht: "eine deutsche Familie zu gründen".
Wenig deutet auf der Homepage von Sabine darauf hin, dass sie rechtsextrem, dass sie Enibas sein könnte. Doch Aktivisten der Autnomen Antifa Freiburg (AAF) haben auf thiazi.net außer den Zitaten, die hier wiedergegeben sind, Bilder eingesammelt, die Enibas von sich ins Netz gestellt hat, und Fotos, die bei Neonazi-Demonstrationen entstanden. Kein Zweifel: Die Frau auf den Bildern ist dieselbe wie auf der Homepage von Sabine.
Musik verwandelte Sabine in Enibas. Sie hörte erst Böhse Onkelz, bekam dann einen "Rock against Communism"-Sampler geschenkt - "diese Scheibe war für mich das Schlüsselerlebnis". Heute heißen ihre Lieblingsbands "Tobsucht", "Sturm 18" und "Arische Jugend". Um sich über die Musik auszutauschen, geriet sie erst im Internet und dann bei Konzerten und Kundgebungen leibhaftig in Nazi-Kreise. Wenn man das weiß, findet man auch auf der Familien-Homepage den einen oder anderen Hinweis, die Onkelz und den Skinhead-Musikstil Oi! zum Beispiel unter Lieblingsmusik, Militärklamotten auf dem Selbstporträt.
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